10 Tipps, wie du einem Krebspatienten eine Freude machen kannst…

10 Tipps, wie du einem Krebspatienten eine Freude machen kannst…

Krebs zu haben ist hart. Und es ist noch härter, sich auf den Weg der Genesung zu begeben mit den unzähligen Terminen, die man plötzlich hat und dem Alltag, der bestmöglich weiterlaufen soll. Oft fragen Patienten nicht nach Hilfe in ihrem Umfeld – aus den verschiedensten Gründen, viele davon kenne ich auch – das heißt aber nicht, dass sie keine Hilfe wollen oder brauchen.

Ich habe mir anhand meiner Geschichte einmal ein paar Gedanken gemacht, wie ihr einem lieben Menschen mit einer Krebserkrankung eine Freude machen könnt:

10. Statte Besuche ab und versuche soviel Normalität wie möglich mitzubringen

Wenn dein Freund, deine Freundin, dein Verwandter, deine Verwandte an Krebs erkrankt ist, dann ist das für alle erstmal unfassbar schlimm. Verstecke dich nicht. Trau dich, zeig dich, besuche. Das Schlimmste für die Erkrankten ist es, wenn du dich plötzlich unsichtbar machst.

Auch wenn du nicht weißt, was du sagen sollst oder wie du dich verhalten sollst, sei einfach da.

Ich wurde in Leipzig operiert und war dort 14 Tage stationär…über die Weihnachtsfeiertage.

Leipzig – München, das sind sage und schreibe 430km einfache Fahrt. Von meiner Heimatstadt Schweinfurt immerhin knapp 300km. Und trotzdem: ich war keinen Tag alleine. Menschen, Freunde, Familie aus ganz Deutschland besuchten mich.

Meine Mutter hütete in den 2 Wochen täglich mein Bettchen, saß neben mir und versuchte mir jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. (Was zu der Zeit nicht immer klappen konnte, denn nach der Operation war ich, glaube ich, erstmal ein wenig kratzbürstig)

Meine Freundin Becci kam einen Tag nach der Operation aus Würzburg angefahren, Jeanette schickte eine Arbeitskollegin mit einem Geschenk aus Berlin, Susi kam direkt aus New York und stoppte extra für mich am Uniklinikum, bevor sie weiter zu ihrer Familie fuhr. Carina, Kathrin und Janine kamen aus München, Verena aus Salzburg und Suzi und Alex gaben sich an Weihnachten die Krankenhauszimmertürklinke in die Hand. An Weihnachten! Was Schöneres kann man sich doch gar nicht vorstellen….

Und am Tag meiner Entlassung holte mich mein Bruder aus Franken ab und fuhr mich nach München.

Jedem Einzelnen bin ich noch heute so unendlich dankbar, dass sie meine Zeit dort ein wenig erträglicher haben werden lassen. Das ist so toll – und davon zehrt man ewig, wirklich.

Daher: wann immer du dich aufmachen kannst, tu es. Fahre vorbei und die Freude und die Dankbarkeit, die du verbreiten wirst, wird grenzenlos sein….Auch Jahre danach noch.

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9. Schreib eine Karte oder einen Brief

Wenn euch zu viele Kilometer trennen, oder wenn es einfach nicht hinhaut, sich persönlich in die Arme zu nehmen, dann schick eine schriftliche Umarmung. Lass der Person wissen, dass du an sie denkst und bei ihr bist. Du weißt nicht, was du für einen Unterschied machst… ein paar fröhliche Zeilen in einer eher düsteren Zeit wirken Wunder.

Und wenn du viele kleine Wunder verursachen möchtest, dann tu das, was meine Freundin Carina losgetreten hat: als ich für meine Traumatherapie sechs Wochen in eine Klinik musste, hat sie als sie mich dort hingebracht hat, kurzerhand die leere Pinkorkwand in meinem Zimmer fotografiert und dieses Foto losgeschickt. Nicht, ohne vorher einige Nummern aus meinem Handy zu stibitzen… Plötzlich kamen nach und nach Postkarten aus ganz Deutschland angeflattert. Irgendwann war ich auf der Station bekannt wie ein bunter Hund…“die, die so viele Karten bekommt“ <3 Das war so unglaublich schön! Natürlich habe ich alle aufgehoben. Ich sehe sie mir regelmäßig an.

Probier es mal aus: kaufe eine schöne Karte und finde ein paar liebe Worte – der Effekt ist riesengroß.

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8. Lache! 

Lachen ist die beste Medizin. Das Sprichwort hat sicher jeder schon mal gehört. Und es kommt nicht von Ungefähr. Erstens fühlt man so unglaublich, wenn man einen Tag mit viel Lachen verbracht hat…so wie ich finde… und zweitens ist es mittlerweile wissenschaftlich erwiesen, denn Lachen aktiviert im Organismus eine Vielzahl von chemischen Prozessen, die sich positiv auf Körper und Geist auswirken.

…ja, ich weiß – gerade bei der Diagnose Krebs ist Lachen nicht immer so einfach. Und vor allem nicht, wenn die Diagnose erst vor Kurzem war. Du hast Angst um deinen lieben Menschen, der da mit einer lebensbedrohenden Diagnose vor dir sitzt. Und ihm geht’s einfach oft so schlecht, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Trotzdem – behalte immer im Hinterkopf: wann immer es geht: lacht.

Lacht, lacht, lacht. Denn: Lachen hört man weiter als Weinen.

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7. Organisiere Health Booster Utensilien 

Essentiell wichtig für Krebspatienten ist es, wieder gut nährstoffversorgt zu sein. Dazu ist viel viel Rohkost aus biologischen Anbau nötig. Oft haben Menschen, die an Krebs erkranken, sich vor diesem drastischen Lebenseinschnitt noch nie mit Rohkost beschäftigt. So wie ich. Wenn ich alle Wochen mal eine rohe Karotte oder bisschen geschnittenen Paprika gegessen habe, dann war das viel. Um einen Krebspatienten mit genug Nährstoffen zu versorgen braucht es um ein Vielfaches mehr.

Ich bin noch heute so glücklich und dankbar darüber, dass eines Tages, kurz nachdem ich aus dem Krankenhaus zuhause war, der Postbote mit einem großen Paket vor der Tür stand. Drin war eine Saftpresse! Eine so tolle Idee…. Seitdem wurden viele, viele Liter grünen Saft gepresst.

Auch andere Health Booster Utensilien wie Keimgeräte, Blender sowie grüne Zutaten wie Algen und Chlorella sind unglaublich hilfreich und echte Gesundheitspusher.

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6. Koch etwas oder bereite etwas Nahrhaftes zu.

Gesund zu Essen und sich mit Nährstoffen versorgen ist das Wichtigste, was ein Mensch für sich tun kann. Bei Krebspatienten liegt nach meiner Erfahrung auch da viel im Argen.

Wenn du etwas tun möchtest, dann koch etwas. Du solltest allerdings auf die individuelle Verfassung achten. Bei mir war es so, dass ich ca 3 Monate vor der Diagnose schon immer weiter abgenommen habe und zum Zeitpunkt der Diagnose dann schon 5kg weniger als sonst hatte. Im Krankenhaus hatte ich durch das Liegen, den Fraß dort (Entschuldigt, aber nur so kann man das Essen dort ausdrücken) und wahrscheinlich auch durch die harte Operation nochmals 7kg weniger.

Ich bin 1,76m groß und wog plötzlich nur noch 48kg – da liegt der Fokus erstmal darauf, Substanz, Energie und Kilos zuzulegen.

Wenn das bei dem Menschen um euch, der an Krebs erkrankt ist auch so ist, dann schickt nicht nur grüne Säfte und Salate vorbei. Kocht Quinoa, Hirse, Linsen, Eintöpfe, Aufläufe, deftige Suppen usw.

Achtet darauf, dass das Gemüse möglichst aus biologischen Anbau stammt und dass euer Essen für den Patienten zuckerfrei und tierproteinarm ist.

Wenn es dem Patienten vor seiner Diagnose nicht an Fülle und Makronährstoffen gefehlt hat, dann  darfst du ruhig viel geschnippelte Rohkost vorbeibringen und viel grünes Blattgemüse (z.B. auch in Form von Säften und Smoothies)

Du musst wissen, bei einem Krebspatienten ist der pH – Wert viel zu sauer. Das kann natürlich verschiedene Ursachen haben, aber mit der Ernährung kann man diesbezüglich schon sehr viel Einfluss nehmen. Pflanzliche Lebensmittel sind generell basisch(er) und so kannst du den Körper deines Freundes, deiner Freundin unterstützen, Selbstheilungskräfte zu aktivieren und von innen heraus, dem Krebs gegenzusteuern.

Sorgt euch um eure Körper – und die euerer Lieben –  sie sind der einzige Ort in denen der Mensch leben kann.

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5. Nutze deine Talente

Du hast sicher Talente, die du bisher noch kaum oder wenig eingesetzt hast. Jetzt ist die Chance!

Auch meine Freunde haben ungeahnte Talente. Während meiner Chemo durfte ich zum Beispiel Fuß-, und Kopfmassagen genießen, die es von Profis nicht besser geben kann. Mindestens einmal die Woche kamen die Mädels zu mir nach Hause, eine erzählte von ihrem Tag, die andere kümmerte sich um meine wassereingelagerten Beine. Das schenkte mir Stunden der Entspannung und Ruhe und war so heilsam für mich, dass ich immer an diesen Tagen unbeschwert und fast schmerzfrei einschlafen durfte.

Meine andere Freundin Samira kam nach ihrem langen Arbeitstag zu mir, um mir ‚universelle Lebensenergie‘ zu überbringen. Ich hatte ‚Reiki‘ vorher noch nie ausprobiert und schmunzelte erst, als sie mit ihren Händen so nah über meinem Körper schwebte. Am Ende aber umgab mich ein wohliges Gefühl der Wärme und der Entspannung. Es hat richtig gut getan … Schade, dass ich erst krank werden musste, um von diesen Talenten zu erfahren und sie erleben zu dürfen…

4. Verschenke Liebe und Geborgenheit

Krebspatienten leiden manchmal sehr unter den Operationen oder den Nebenwirkungen der Behandlungen –  auch fühlt man sich oft einfach hilflos, alleine und schutzlos.

Ich brauchte zur Akutphase, also nach der OP und während der Chemotherapie mehr denn je meinen ‚Safe place’. Mein Gefühl nach Geborgenheit war unstillbar.

Meine Freunde Fred und Tobi haben damals unwissentlich genau ins Schwarze getroffen. Von ihnen habe ich ein wundervolles Kirschkernkissen und die kuscheligste Schmusedecke, die ich jemals gefühlt habe, geschenkt bekommen.

Während der schlimmen Zeit war sie meine treueste Begleiterin und noch heute kommt sie fast täglich zum Einsatz. Auch wenn ich nicht schlafen kann, wickle ich mich in sie ein und sie verströmt ihre Geborgenheit 🙂

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3. Organisiere Freunde zu einem großen „Care“ – Netzwerk

Wenn ein geliebter Mensch mit einer Krebserkrankung konfrontiert wird, wird seine Welt und die seiner Angehörigen von heute auf morgen auf den Kopf gestellt. Plötzlich sind alle aufgebracht, ängstlich und traurig. Jeder will helfen. Doch das kann schnell für Chaos und noch aufgeregtere Verhältnisse sorgen. Ein wichtiger Tipp hier: wenn du gut organisieren und delegieren kannst, dann lege eine Art „Care“ – Netzwerk an. Trommle Freunde und Bekannte des Patienten zusammen und vergebe Aufgaben. Weißt du, wir sind eh so unter Strom mit den ganzen Hiobsbotschaften, den Therapien und dem Alltag, den es ja auch noch zu bewältigen gilt, dass wir nicht immer klare Aussagen treffen können, wie ihr uns gerade helfen könnt.

Da ist es super hilfreich, wenn es jemand in die Hand nimmt und uns mit der Organisation auf vielerlei Hinsicht entlastet.

Wintereinbruch steht vor der Tür und die Autoreifen müssen gewechselt werden? Eine perfekte Aufgabe für einen lieben Freund, sich darum zu kümmern. Das Wohnzimmer eures Patienten ist als Krankenlager eingeweiht und in der Küche stapelt sich das Geschirr? Schickt eine Freundin vorbei, die mal ein paar Stunden reine macht, während wieder mal ein Arzttermin ansteht.

Solche Aufmerksamkeiten helfen ungemein.

In meinem Fall war es sogar so, dass meine Freunde in meiner Abwesenheit (ich lag im Krankenhaus) meine Wohnung an der österreichischen Grenze auflösten, die Möbel in Transporter frachteten und in München in der neuen Wohnung wieder einräumten.

Ich kann nicht oft genug ‚Danke‘ für so eine Aktion sagen!!! Ihr seid wundervoll.

2. Komm mit zur Chemo oder zu anderen mulmigen Arztterminen

Spring über deinen Schatten und biete deine warme Hand bei Chemogaben und bei anderen mulmigen Arztterminen an. Das hat den einen Effekt, dass vier Ohren mehr hören als zwei (…und ich kann dir sagen, man bekommt als Patient weiß Gott viel zu wenig, von dem, was der Arzt da alles sagt, mit.)

Der andere Effekt, dass man das Gefühl hat, „man muss da jetzt nicht alleine durch“ ist der noch viel wichtigerer auf einer emotionalen Ebene.

Ich bin sehr dankbar, dass sich so viele meiner Freundinnen ein Herz gefasst haben und mich dabei unterstützt haben. Dany hat mich zum Beispiel in die Frauenklinik begleitet, Jeanette nach Leipzig zur Voruntersuchung der Operation und drei andere liebe Menschen begleiteten mich zu einem Chemotermin.

Vielen Dank für euere Unterstützung <3

Tut es ihnen nach, ihr werdet die Dankbarkeit spüren….

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1. Hör zu.

Das Allerallerwichtigste ist: Höre zu!

Please listen

to the pain

to the stories

to the thoughts

to the feelings.

Healing comes

when we truly

listen.

Dem ist nicht allzu viel zuzufügen, außer dass ich das genauso unterschreiben kann.

Ein offenes Ohr und ein fürsorgliches Herz ist manchmal all das, was nötig ist.

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DANKE an alle wunderbaren Menschen da draußen!

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