10 Tipps für Krebspatienten

10 Tipps für Krebspatienten

10 Tipps für Krebspatienten

 

Im Alter von 30 Jahren,

  • als ich dachte, ich werde in den nächsten Jahren beruflich ganz viel Erfolg haben, vor      allem dann, wenn ich mich nur richtig ‚reinhängen’ würde…
  • als ich dachte, mein Umzug nach München (ich war knapp 3 Jahre in Salzburg, um dort zu arbeiten) wird eine neue positive Wendung in mein Leben bringen….
  • als ich dachte, ich bin unverwüstlich und schwimme auf der Glückswelle….

 

wurde fortgeschrittener Gebärmutterhalskrebs bei mir festgestellt. Es war gerade Vorweihnachtszeit und ich habe mich auf die bevorstehenden, besinnlichen Tage gefreut. Dass sie so besinnlich werden (im Nachhinein gesehen) hätte ich nie für möglich gehalten.

 

Wenn man als junger Mensch mit einer Krebsdiagnose konfrontiert wird, dann ist plötzlich alles komplett anders. Oben ist nicht mehr oben, sondern unten. Rechts ist links und gut ist schlecht. Weiß ist schwarz und gesund ist krank.

 

Natürlich ist das bei Menschen, die schon älter sind, nicht anders – aber dadurch, dass ich bei der Diagnose gerade 30 Jahre alt war, kann ich für junge Menschen sprechen. (Mit 30 gilt man doch noch als jung, oder? ;))

 

 

Und ein paar Dinge hätte ich gerne früher gewusst – vielleicht von einem anderen jungen Menschen, der diesem Schreckensgespenst ins Gesicht blicken musste. Deshalb schreib’ ich sie hier dir auf. Du kannst nämlich, trotz deiner ganzen Panik, deiner Angst, deiner Desillusion etwas für dich tun. Auch wenn es Tage, Wochen oder Monate dauert, bis du wieder ins Tun kommen kannst….irgendwann geht es – und das sind meine persönlichen Schritte, die jeder Krebspatient gehen kann: (Ganz unabhängig von der Art des Krebses oder des Stadiums)

 

  1. Finde DEIN Ärzte-, Therapeutenteam

Das ist das Wichtigste, das ich dir raten kann. Begib dich auf die Suche und finde den für dich richtigen Arzt. Und damit meine ich fachlich, menschlich und abgestimmt auf deine Bedürfnisse. Wenn du einen strikten schulmedizinischen Weg gehen willst, dann suche dir einen Hardliner. Dann kannst du mit einem Arzt, der einen ganzheitlichen Ansatz vorschlägt, wenig anfangen. (Wenn du voll und ganz der modernen Medizin, also der Schulmedizin folgen willst, könnte es allerdings sein, dass dieser Artikel nichts oder nur bedingt etwas für dich ist. Hier kommen nämlich Methoden aus unterschiedlichen Richtungen zur Sprache.) Ich habe mittlerweile ein ‚Netz‘ aus guten Menschen, Ärzten, Therapeuten um mich herum. In meinem Kopf und in meinem Herzen empfinde ich das als unsichtbare Schutzhülle. Ich bin zwar für mich selbst verantwortlich, aber wenn ich ein gesundheitliches Problem habe, das ich nicht alleine lösen kann, kommt ‚mein Team‘ zum Einsatz. Darin sind zum Beispiel ein Onkologe, der sich ganzheitlich ausgerichtet hat, eine Orthomolekularmedizinerin, die die biochemischen Prozesse im Körper versteht, eine Heilprakterin, eine Lymphdrainagentherapeutin, ein Quantenmediziner, eine Schamanin und noch ein paar weitere. Ich kann dir nur sagen: es lohnt sich! Ein unsichtbares Band aus Know-How und Geborgenheit, auch wenn all die Menschen „NUR“ Ärzte und Therapeuten sind.

 

  1. Mach dich schlau!

Um die richtigen Entscheidungen treffen zu können, solltest du Dinge über deine Erkrankung wissen. Am besten so viel es geht. Nur dann kannst du wichtige Fragen an dein Therapeuten / Ärzteteam stellen, Zusammenhänge verstehen, dir deine eigene Meinung bilden, dein Bauchgefühl sprechen lassen und letztendlich das für dich ‚richtige‘ entscheiden. Mit ‚schlau machen‘ meine ich nicht, dass du nun alle Foren deine Krankheit betreffend durchstöbern sollst (und dir im schlimmsten Fall eher Angst machst, nach dem du all das gelesen hast), sondern fundierte Informationen finden. In guten Büchern und auf gut recherchierten Webseiten… Ich kann mir vorstellen, dass du dir denkst, dass das viel verlangt ist, da du dich ja sowieso schon in einer Extremsituation befindest. Aber ich sage dir: es lohnt sich so sehr! Ich glaube zum Beispiel total, dass ich unter Anderem deshalb heute noch lebe, weil ich den für mich richtigen Experten (in meinem Fall eine Koryphäe in den Unterleibschirurgen) ausfindig gemacht habe und später dann die invasive Medizin durch eine ganzheitliche Herangehensweise ausgetauscht habe.

 

 

  1. Untersuche deine Essgewohnheiten

Leider ist Krebs mittlerweile zu einer chronischen Erkrankung mutiert, die vor allem in der westlichen Welt immer mehr diagnostiziert wird. Sie gehört nach den Herz-, Kreislauferkrankungen zu den häufigsten Todesursachen. Das müsste aber nicht so sein! Eine Anpassung der Ernährungsgewohnheiten ist ein sehr sehr wichtiger Schritt – hier kann man SO VIEL für sich selbst tun. (Im Übrigen natürlich auch VOR einer Diagnose präventiv unglaublich wichtig). Wir essen zu viel Verarbeitetes, zu viel Fleisch, zu viel Zucker, zu viele Milchprodukte. Dafür ist unser Körper, unser System nicht gemacht. Unsere Zellen brauchen frische Lebensmittel, die uns gesund machen oder halten. Beginne, dich mit pflanzlicher Nahrung zu beschäftigen. Sie ist der Grundstein für eine blühende Gesundheit. Fang irgendwo an. Entweder bestellt du dir haufenweise Bücher und liest dich durch (meine dazu passenden Buchtipps gibt es in einem separaten Blogpost bald) oder du stöberst dich durch das world wide web. Meine Empfehlung in Kurzform: vollwertige, unverarbeitete Lebensmittel und jede Menge Obst, Gemüse, Nüsse und Sprossen. Falls du darüber nochmal gesondert Genaueres wissen willst, gib mir einfach einen kurzen Kommentar dazu. Dann werde ich darauf in einem der nächsten Blogposts eingehen.

 

  1. Checke deine täglichen Produkte

Hierbei meine ich vor allem unsere kleinen Helferlein, was Pflege und Kosmetik angeht. Es gibt viele, viele Umweltgifte, denen wir mehr oder weniger ausgeliefert sind und wobei wir nicht unbedingt persönlich und sofort einwirken können. Was wir aber können, ist unseren Badezimmerschrank nach giftigen Stoffen zu überprüfen. Das, was du bei einer Krebserkrankung am wenigsten gebrauchen kannst, sind toxische Substanzen, die du dir auf dein größtes Organ – die Haut – schmierst. In vielen großen, bekannten Marken ist unnötiges, giftiges und krankmachendes Zeug drin. Raus damit! Es hat keine Daseinsberechtigung in deinem Leben. Keine hormonaktiven Substanzen, keine krebsfördernden Stoffe, keine potenten Allergene. Nix davon sollte den Weg auf deine Haut finden. Wenn du dir schwer tust mit Aussortieren, hol dir die App ‚Codecheck‘. Du wirst deinen Augen nicht trauen…

 

  1. Leg den Fokus auf guten Schlaf!

Das Thema Schlaf ist ein besonders Wichtiges bei Krebspatienten. Denn nichts ist Wichtiger, als Erholung in der Nacht zu finden. Am Tag stehen genug Herausforderungen an, daher ist gute Bettruhe essentiell. Ich bin ehrlich: in meiner Akuttherapie (also während der Chemozeit) ist es mir sehr schwer gefallen, gut und ausreichend zu schlafen. Die Gedanken kreisen, Ängste sind in der Nacht viel präsenter als am Tag, und mein Hormonmangel (ich kam von einen auf den anderen Tag in die Wechseljahre, da mir neben Lymphknoten auch Gebärmutter, Eileiter und beide Eierstöcke entfernt wurden) mich in den Wahnsinn trieb. Aber hätte ich damals schon einige Dinge so gemacht, wie ich sie heute mache, hätte ich vermutlich besser geruht.

Kurz:

-früh ins Bett gehen und sich tagsüber bewegen

-TV und Handy raus aus dem Schlafzimmer

-gutes Bett und gute Matratze zulegen

-Zimmer verdunkeln

-angeleitete Meditationen bei Einschlafproblemen hören

 

 

  1. Reduziere deinen Stresslevel

Bei mir und bei (fast) allen Krebspatienten, die ich beraten habe, ist Stress ein großes Problem. Oft ist es nicht der offensichtliche Stress (also, eine bestimmte Schlagzahl im Job oder die Mutter, die sich dreiteilt zwischen Beruf, Kindern und Partnerschaft), sondern der Stress, an dem man nicht so leicht heran kommt. Der etwas verborgen liegt. Es kann die Angst um den Job sein, über die man eigentlich nie spricht, oder die zwischenmenschlichen Probleme im direkten Umfeld, die Gedanken an eine unsichere Zukunft oder die Schmerzen, die seit der Kindheit im Körper eingeschlossen sind und dahin drängen, gespürt zu werden. In der heutigen Welt, in der wir mehr über andere als über uns und unsere Gefühle sprechen, in der wir funktionieren und ja jedem gerecht werden sollen, kommen wir an unsere Grenzen. Jeden Tag, jede Woche, jeden Monat. Wenn wir es nicht schaffen, Ausgleich für Kopf und Herz zu schaffen – zum Beispiel in Form von Bewegung, Entspannung, Meditation, Natur, Kreativität, was auch immer – kann es passieren, dass dieser Stress den Körper aus dem Gleichgewicht bringt. Alle Krebspatienten dürfen sich diese Dysbalance ansehen und peu à peu nivellieren. Weg vom Stress, hin zu Gefühle und Schwäche zeigen, Hilfe einfordern, echt und nahbar sein.

 

  1. Mach dir Saft anstatt Sorgen.

Das was in dieser Überschrift so flapsig klingt, soll natürlich nur deine Aufmerksamkeit nochmal aufwecken – bevor wir Richtung Ende dieses Artikels kommen. Ich selbst habe mir natürlich in meiner Reise von Krankheit zu Gesundheit viele Sorgen gemacht und auch immer wieder Ängste durchlebt. Wenn man ins Tun kommt, verharrt man nicht so lange in der negativen Gedankenspirale – daher fordere ich dich auf: mach dir Saft! Nicht irgendeinen und nicht ab und an, sondern grünes Lebenselixier und zwar jeden Tag. Vielleicht musst du langsam anfangen, also die Säfte in dein Leben ‚einschleichen‘ und jeden zweiten Tag einen trinken, nach einiger Zeit dann steigern und jeden Tag mehrere grüne Säfte zu dir nehmen. Dieser 8. Punkt könnte Ausmaße annehmen, (darüber kann ich Romane schreiben, da ich so wundervolle Erfahrungen mit grünen Säften gemacht habe) aber ich schreibe dir hier nur kurz das Wichtigste auf:

  • Günstige Entsafter gibt es bereits ab Hundert Euro. Ein perfektes Geschenk sind sie obendrein!
  • Gurken, Stangensellerie, Fenchel, Zitrone, Ingwer, Kurkuma und saure Äpfel sind eine perfekte Basis für den ‚daily juice’
  • Es gibt viele verschiedene Saft-Rezepte, aber einfach anfangen und dich ausprobieren halte ich für eine gute Idee.
  • Die Blätter von Knollen eignen sich großartig zum Entsaften!
  • Es sollte mindestens 70% Gemüse in deinen Saft wandern.

 

( © ‚Marion Vogel – Fotoshooting für Bild der Frau‘ )

 

 

8. Glaube an dich

 

‚Glaube du schaffst es, oder glaube du schaffst es nicht. So oder so – du wirst recht behalten.’ Das ist ein Zitat, das Henry Ford so ähnlich geprägt hat. Ich habe es für mich angepasst. Aber das stimmt einfach. Ich habe mir von Anfang an (meine Diagnose war Ende 2012) vorgestellt, wieder gesund zu sein. Ich habe meinem Körper gesagt, dass er genesen kann. Ich glaubte an mich, ich spürte, dass es da noch etwas gibt, das ich erfahren darf und was noch auf mich wartet.

Mittlerweile weiß ich, dass ich die Erkenntnis ohne eine schweren Einschnitt in meinem Leben wohl nicht bekommen hätte. Natürlich würde man sich Sanfteres wünschen, aber ich denke bei so einer Wucht, ist es zumindest fast unmöglich nicht hinzuhören. Meine Botschaft lautet also: glaube an dich, an dein Leben, an deine Genesung, an deine Kraft und Macht vielleicht auch vermeintlich Unmögliches möglich zu machen. Die Welt ist voll davon – warum sollte es also nicht auch bei dir so sein?

 

  1. Akzeptiere deinen momentanen Stand und bleib positiv.

Das Wichtigste im Leben ist, dass du weißt, dass du nichts wirklich kontrollieren kannst. Selbst wenn du alles tust, was dir irgendein Arzt, Heiler, Therapeut, Ernährungsberater oder sonst wer sagt, heißt das noch lange nicht, dass du gesund bleibst oder wirst. Der Weg geht immer über deine Selbstverantwortung und ist nicht sicher, nur weil jemand sagt, dass er es ist. Für einige Menschen mag das ein schwacher Trost sein, für mich ist es mittlerweile die kraftvollste Erkenntnis. Denn ich habe wirklich Vieles, nahezu Alles in der Hand. Leben ist zu 10% das, was passiert und zu 90% das, was ich draus mache.

 

  1. Entfessle dich und spring rein ins Leben!

Falls du dich angesprochen fühlst, wenn ich sage: „Raus aus der Opferrolle!“, dann ist der letzte Punkt meines Artikels wichtig für dich! Wir Menschen suhlen uns gerne darin, dass irgendetwas schwieriger oder schlimmer ist im eigenen Leben, als im Leben des Anderen. Wir vergleichen uns mit unseren Mitmenschen und wollen dabei einfach nur gesehen werden. (Das gilt natürlich nicht nur für Krebspatienten.) Menschen bekommen Aufmerksamkeit, wenn es ihnen schlecht geht, wenn sie darüber ausschweifend sprechen können und ihnen Mitleid zu teil wird. Nicht falsch verstehen jetzt: auch ich erzähle Menschen, denen ich wichtig bin, wie sich mein Gesundheitszustand darstellt und wie es mir gerade geht. Das ist sogar wichtig und richtig! Ich möchte dich aber dazu ermutigen, nicht nur zu leiden, zu jammern und die Welt als unfairen Ort anzusehen, sondern das Gegenteil. Selbst wenn mein Leben kürzer sein sollte, als die Lebenserwartung hierzulande ist, dann habe ich trotzdem jeden Tag Zeit, dieses Dasein so zu gestalten, dass ich Freude und Liebe empfinde. Dass ich meinen Humor nicht verliere, dass ich lache, dass ich meinen Wünschen und Träumen folge, dass ich mich auf mich und meine Heilung konzentriere… und dass ich springe. Mit Arschbombe mitten rein ins Leben!

 

 

Vielleicht geht Einiges in diesem Artikel in Resonanz mit dir, vielleicht hilft dir Einiges – ich wünsche es mir zumindest.

In jedem Fall wünsche ich dir von Herzen alles alles Gute, die richtigen Entscheidungen, viel Kraft und Mut, sowie ganz viel Liebe auf deinem Weg durch das Leben hin zur Gesundheit!

 

Pass auf dich auf,

Deine Merle

 

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